Ende April 2005 bekam ich ein Schreiben, welches dem ersten Anschein nach wie ein offizieller Brief von Ebay aussah. In diesem Schreiben teilte mir Ebay mit, daß ich mich einige Tage zuvor bei dem wohl größten Internetauktionshaus mit der E-Mail Adresse "karl53schnittzer@web.de" angemeldet habe. Ebay fordere mich nun auf, die Anmeldung durch Eingabe des mitgelieferten Bestätigungscode abzuschließen. Hier findet Ihr das Orginalschreiben und den Umschlag.

Ein neuer Account? 

 Ich war darob doch sehr erstaunt, konnte ich doch einen Ebay-Account mein eigen nennen, den ich bereits zu Zeiten von Alando Ende der 90er Jahre nutzte, und der nach der Übernahme von Alando durch Ebay ebenfalls dort gültig war. Auch konnte ich mich beim besten Willen weder an eine E-Mail Adresse "karl53schnittzer@web.de" noch an eine kürzlich vorgenommene Anmeldung bei Ebay erinnern. Ebenfalls mißtrauisch machte mich eine Passage in dem Brief:

 "Überprüfen Sie bitte die von Ihnen angegebene E-Mail-Adresse. Sollte oben stehende E-Mail-Adresse falsch sein, tragen Sie diese bitte trotzdem ein und korrigieren Sie sie dann nach dem Abschluss Ihrer Anmeldung in Ihrem "Mein Ebay".

 Neugierig geworden durchforstete ich das Internet nach ähnlichen Briefen. Schnell wurde ich in einem Ebay-Forum fündig (Anm.: der Forums-Thread ist wohl vom Netz genommen worden, ein Schelm, wer Böses dabei denkt). Dort klagte ein Nutzer, daß er den gleichen Brief erhalten hatte und - dumm wie er war - den Account überprüfen bzw. aktivieren wollte.

 Nachdem er die Ebay-Pin in dem Aktivierungsformular eingegeben hatte, stellte sich heraus, daß er in dem neuen Account nichts ändern konnte, weil ihm das "alte" Passwort, welches ein User bei Erstbeantragung auswählt, nicht bekannt war. Ähnliches hatte ich mir bereits gedacht. Noch drastischer erging es einem anderen Nutzer, wie hier unter "Meine Ebay-Story (oder Identitätsklau leicht gemacht)" beschrieben ist.

Ich war nicht allein

 Was ist offensichtlich geschehen? Ein (vermutlicher) Betrüger hat bei großen E-Mail-Services (web.de, gmx.de, etc.) E-Mail Accounts eröffnet und diese dazu verwendet, bei Ebay neue Mitgliedsaccounts zu beantragen. Statt seine eigene Anschrift zu benutzen, hat er sich existierende Adressen gesucht (ob über Ebay oder sonst woher, kann ich nicht sagen), in der Hoffnung, daß es unerfahrene Internet-User gibt, die einen solchen Account nach Empfang des Ebay-Begrüßungsbriefes aktivieren. Einmal aktiviert können diese Unglücksraben aufgrund des verfehlten Sicherheitssystems von Ebay mangels Kenntis des Passworts nichts mehr in dem frischen Account ändern.

Drei, zwei, eins ... jetzt ist es mein Account! 

 Der Betrüger wartet nun wie eine Spinne im Netz, bis er einen oder mehrere erschlichene Ebay-Accounts mit falscher postalischer Anschrift hat. Dann bietet er unter diesen Account Waren an, die natürlich nie bei den Käufern ankommen. Nachdem diese bezahlt haben und sich - zurecht - wehren, daß die Ware ausbleibt, bei Ebay beschweren oder Anzeige erstatten, bleibt als Kontaktanschrift natürlich nur die erschlichene Adresse. Der unglückliche User, der vorher einen eigentlich fremden "Fake-Account" mit eigener postalischer Anschrift aktiviert hat, muss nun mit einer Menge Scherereien rechnen, bis hin zu vom Staatsanwalt angeordneten Hausdurchsuchungen.

Anzeige wegen Betrugsversuchs 

 Schlau geworden ging ich zur örtlichen Polizeibehörde und erstattete Anzeige wegen versuchten Betrugs. Der zuständige Beamte war sehr nett, aber mit der Thematik mangels Sachkenntnis offensichtlich völlig überfordert, und ich musste eine Engelsgeduld aufbringen, bis er den "Trick" erkannt hatte. Parallel zur Anzeige informierte ich Ebay per Fax und E-Mail und befand mich in dem guten Glauben, nun gehe alles seinen gerechten Gang. 

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By ace on 27-Jul-08 09:04


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