8,000 Menschen waren gestern in Berlin auf der Straße - und glaubt man nicht der Polizei, sondern den Veranstaltern, dann waren es sogar 15,000 Teilnehmer. Sie alle demonstrierten friedlich unter dem Motto "Freiheit statt Angst" gegen einen Überwachungsstaat, gegen die kommende Vorratsdatenspeicherung, gegen Schäubles Pläne zu Onlinedurchsuchungen. Die Freie Ärzteschaft war ebenso vertreten wie Mitglieder des CCC oder Hans-Christian Ströbele (Bündnis90/Die Grünen).

 Folgt man jedoch dem Mainstream, handelte es sich um eine Demonstration, die es nicht gab. Der ARD-Tagesschau war die Demo keine Sendesekunde wert, den Heute-Nachrichten wenigstens ein kurzer Einspieler. ZDF-Online meldete falsch, daß an der Demo nur 2,000 Menschen teilnahmen, und die Kundgebung nach acht Festnahmen und einem verletzten Polizisten angeblich von den Ordnungshütern abgebrochen wurde.

 Weder der Spiegel, noch die Süddeutsche oder die Welt berichteten über das Großereignis in Berlin. Bild-Online und die FAZ sowieso nicht. Auch in der Berliner Zeitung findet man nur einen kurzen Artikel mit falschen Zahlen (Quelle: ddp?!). Und man muss lange suchen, um überhaupt weitere Erwähnungen in den Medien zu finden. Selbst die linke taz hüllt sich in Schweigen.

 Dabei betrifft es auch die Journalisten selbst, wenn ab dem kommenden Jahr Kommunikationsdaten für sechs Monate vorgehalten werden und für Ermittlungsmaßnahmen der Behörden genutzt werden können. Wer wird denn ab 2008 angesichts einer lückenlosen Überwachung von Mobilfunk und Internetkommunikation den Investigativ-Journalisten noch als nicht genannte Quelle zur Verfügung stehen? Den Quellenschutz, auf den sich die Medien bei Sensationsstories heute gerne (und zu Recht) berufen, den gibt es dann nicht mehr.

 Hatten alle Journalisten (mit Ausnahme der Sportredaktionen) am Wochenende frei? Handelt es sich bei der "Nicht-Berichterstattung" um eine Art freiwilliger und vorauseilender Selbstzensur? Ist Berlin Provinz? Sind unsere Medien mit dem Thema schlichtweg überfordert? Oder glauben die verantwortlichen Redakteure, ihrer Leserschaft dies nicht mehr zumuten zu können?

 Wer dennoch über die Ereignisse am vergangenem Samstag informiert werden möchte, dem seien folgende Links empfohlen:

[Update]

 Die taz ist dann doch aufgewacht, am späten Sonntagabend gab es unter dem Titel "Generation Internet protestiert" einen kurzen Bericht. 

 

Datenschutz,Politik,IT

By ace on 23-Sep-07 18:03


me
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Bericht des ZDF
Reply #6 on : Tue October 23, 2007, 23:56:46
"Auf Höhe der Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße wurde über den Lautsprecherwagen bekannt gegeben, dass der Block des linksradikalen Bündnisses aufgelöst wird. Die Demo-Leitung sah sich nicht in der Lage ein deeskalierendes Verhalten der Beamten zu erzielen und niemand wollte weitere Menschen gefährden." aus: http://de.indymedia.org/2007/09/195503.shtml

Das könnte die Version des ZDF erklären. Die Berichterstatter waren aus Gier natürlich beim "Schwarzen Block", die Lauti-Ansage wurde falsch verstanden. Da die Demo nun beendet war und auch kein Krawall mehr erwartet wurde: ab in die Redaktion.
ace
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Unterschied
Reply #5 on : Tue September 25, 2007, 11:28:18
Es ist aber ein gewaltiger Unterschied, ob ich nicht oder "falsch" über ein Ereignis berichte.
fpanyre
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uninteressant
Reply #4 on : Tue September 25, 2007, 11:12:43
8000 Besucher auf der Demo.
Na und, bei der Kaufhauseröffnung neulich nachts wurden mehr Leute angelockt. Das bedeutet doch nix anderes, als dass die Bundesbürger einverstanden sind mit der Politik vom Schäuble. Ist doch auch nicht mehr so langweilig für die Rentner, es passiert endlich mal wieder was. Und die Wirtschaft brummt.
Na gut, mancher ist auch schwach oder feige, aber es sind wirklich nur einige wenige Krakeler, denen man es sowieso nicht recht machen kann.
Für diese Situation aber die Mitarbeiter vom ZDF verantwortlich zu machen, ist unverantwortlich. Sie brauchen ihren Job und können eben nicht machen, was sie wollen!
LOYALITÄT heisst das Zauberwort.
ace
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Und hier nun mein Reply darauf:
Reply #3 on : Mon September 24, 2007, 14:46:15
Sehr geehrte Damen u. Herren,

sind Sie sich sicher, daß Ihre Antwort den richtigen Absender erreicht hat? Hat irgendjemand aus Ihrem Team meine E-Mail überhaupt gelesen? Seit wann ist das Bundesinnenministerium für sachlich falsche Berichterstattung des ZDF zuständig?

Oder ist es das vielleicht, und Ihre Redakteure haben den Artikel garnicht verfasst? Ist http://www.zdf.de/ZDFheute/inhalt/28/0,3672,7007868,00.html direkt vom Bundesinnenministerium formuliert worden?

Ihre Antwort legt diesen Schluß nahe.
Last Edit: September 24, 2007, 14:46:57 by ace  
ace
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Das ZDF hat geantwortet
Reply #2 on : Mon September 24, 2007, 14:44:19
Leider muss ich zu dem Schluß kommen, daß die Herren dort wirklich in einem Paralleluniversum leben:

"vielen Dank für Ihre E-Mail an das ZDF.

Ihr Appell zum Thema der öffentlichen Sicherheit, zu dem Sie die Berichterstattung in den Nachrichtensendungen des ZDF veranlasst, ist sicher bei dem in der Sache zuständigen Bundesminister an der richtigen Adresse. Das Bundesministerium des Innern erreichen Sie unter dieser Anschrift:

[Anschrift]

Sollte ein aktueller Anlass gegeben sein, wird das ZDF weiterhin exponiert über die Diskussion und Möglichkeiten berichten, wie die öffentliche Sicherheit hierzulande gewährleistet werden kann. Dabei hat das ZDF die Absicht, das Thema jederzeit kritisch und unvoreingenommen zu begleiten. Ihre Anregung, ausführlicher und genauer über die jetzt gerade am Samstag stattgefundene Demonstration in Berlin zu berichten, haben wir außerdem gerne den Redaktionen der Tagesaktualität mitgeteilt.

Wir freuen uns, wenn Sie auch weiterhin zu unseren interessierten Zuschauern gehören."
Last Edit: September 24, 2007, 14:49:14 by ace  
ace
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E-Mail an das ZDF
Reply #1 on : Mon September 24, 2007, 14:40:35
Sehr geehrte Damen u. Herren,

unter http://www.zdf.de/ZDFheute/inhalt/28/0,3672,7007868,00.html haben Sie heute einen Artikel zur gestrigen Demonstration "Freiheit statt Angst" in Berlin veröffentlicht, leider ohne Namensnennung des Redakteurs. Unterzeichnet war der Artikel ausschließlich mit "Mit Material von dpa und afp".

Ich bin ein wenig verwundert über die Darstellung der Demonstration auf Ihrer Webseite.

1. Sie sprechen von 2000 - 8000 Demonstranten. In anderen Medien (Heise, MDR) werden 10 - 15000 genannt, selbst die Polizei schätzte etwa 8000 Teilnehmer.

2. Sie schreiben, daß die Demo an der Friedrichstraße abgebrochen wurde. Das ist unwahr!

3. Sie schreiben, daß die Demo unfriedlich zu Ende ging. Auch das ist unwahr!

Woher haben Sie diese Informationen? Trotz aufwendiger Recherche habe ich heute bei keinem Online-Angebot einer deutschen Zeitung eine ähnliche Darstellung finden können.

Wie läßt sich diese - sehr einseitige - Darstellung mit dem von Ihnen und der GEZ so oft zitierten Rundfunkstaatsvertrag in Einklang bringen?

Warum eigentlich merken Sie nicht, daß auch Ihre Zunft (Journalisten) massiv von der Vorratsdatenspeicherung betroffen sein wird? Ich gebe hier nur das Stichwort "Quellenschutz."

Wenn ich die Berichterstattung zu dieser Demonstration als Maßstab für die Qualität des journalistische Handwerk der ZDF-Mitarbeiter nehme, kann ich nur zu dem Schluß gelangen, daß ich vom ZDF auch in anderen Bereichen nicht objektiv und entsprechend einer journalistischen Ethik informiert werde.

Auf eine - nicht mit Textbausteinen gespickte Antwort hoffend und

mit freundlichem Gruß
Last Edit: September 24, 2007, 14:55:21 by ace  

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